Illegales Glücksspiel: So können Spieler Verluste zurückfordern

Teil 2 der Leitfaden-Reihe für Betroffene von illegalem Online-Glücksspiel
Autoren: RA István Cocron, Susanne Schübel

Viele Nutzer von Online-Casinos oder Sportwetten fallen aus allen Wolken, wenn sie mit dem ersten Schreiben der Staatsanwaltschaft verstehen, dass ihr Lieblingsanbieter keine deutsche Lizenz hatte und ihre Freizeitbeschäftigung damit illegal war. Oftmals haben sie das Gefühl, alles verloren zu haben. Nicht nur die Kontrolle über die eigene Situation, sondern auch jede Chance, wenigstens einen Teil der erlittenen Verluste aus illegalem Online-Glücksspiel zurückzufordern.

Dieser Beitrag knüpft an den strafrechtlichen Leitfaden an und zeigt, welche zivilrechtlichen Möglichkeiten Spielern offenstehen – unabhängig davon, ob ein Ermittlungsverfahren läuft oder bereits abgeschlossen ist.

„Ein Ermittlungsverfahren schließt zivilrechtliche Ansprüche nicht aus.“

Kurzüberblick

In unserem Blogbeitrag erfahren Sie:

  • unter welchen Voraussetzungen Verluste aus illegalem Online-Glücksspiel zurückgefordert werden können,
  • warum zivilrechtliche Ansprüche unabhängig von einem Strafverfahren bestehen,
  • in welchem Zeitraum Rückforderungen möglich sind,
  • welche Unterlagen für die rechtliche Prüfung erforderlich sind
  • und wie ein Anwalt Sie bei der Durchsetzung Ihrer Ansprüche unterstützt — von der Prüfung über die Anspruchsdurchsetzung bis zur Vertretung gegenüber dem Anbieter.

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Über RA István Cocron

https://ra-cocron.de/

István Cocron ist Rechtsanwalt und befasst sich seit vielen Jahren mit der zivilrechtlichen Rückforderung von Verlusten aus Online-Glücksspiel. Er hat bereits mehr als 3.000 Mandanten gegenüber illegalen Plattformen vertreten.

In der rechtlichen Bewertung spielt es dabei keine Rolle, ob Nutzer 400 Euro oder mehrere hunderttausend Euro verspielt haben. Die zugrunde liegenden Rechtsfragen sind dieselben. Auch kleine Beträge können von einem illegalen Anbieter zurückgefordert werden.

Deshalb arbeitet István Cocron in enger Kooperation mit Strafverteidigern wie Rechtsanwalt René Scheier zusammen, wenn parallel strafrechtliche Ermittlungsverfahren gegen Spieler geführt werden.

Für weitere Informationen zu Rechtsanwalt Cocron besuchen Sie seine Website.

Alles ist futsch, wenn der Staatsanwalt schreibt – diese Annahme ist oft falsch.

Tatsächlich ist ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren nicht das Ende, sondern häufig der Anfang einer rechtlichen Aufarbeitung. Während im Strafverfahren geklärt wird, ob ein strafbares Verhalten vorliegt, geht es im Zivilrecht um eine andere Frage: ob dem Spieler durch das Glücksspielangebot ein finanzieller Schaden entstanden ist und ob der Anbieter hierfür haftet. Beide Ebenen sind rechtlich voneinander unabhängig.

„Rund 15.000 laufende Verfahren zeigen, dass viele andere Spieler die Rückforderung ihrer Verluste prüfen lassen.“

Dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt, zeigt die Praxis. In Deutschland laufen derzeit rund 15.000 zivilrechtliche Verfahren, in denen Spieler Verluste aus Online-Glücksspiel zurückfordern.

Wann können Verluste aus illegalem Glücksspiel zurückgefordert werden?

Zivilrechtlich lassen sich zwei Konstellationen unterscheiden.

Zum einen sind Anbieter betroffen, die ihr Glücksspielangebot ohne deutsche Lizenz in Deutschland bereitgestellt haben. Diese haben keine wirksame rechtliche Grundlage für die Annahme der Einsätze, sodass Rückforderungsansprüche der Nutzer in Betracht kommen.

Ein konkretes Beispiel hierfür sind Anbieter mit Sitz in Curaçao, die bis heute keine deutsche Lizenz besitzen. Auch Anbieter wie die spanische Weihnachtslotterie, die aktuell von deutschen Influencern beworben wird, verfügen in Deutschland über keine Zulassung.

„Entscheidend ist, ob der Anbieter eine deutsche Lizenz hatte oder gegen Regeln verstoßen hat.“

Zum anderen kommen Rückforderungsansprüche auch gegenüber Anbietern in Betracht, die zwar über eine deutsche Lizenz verfügen, aber gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen haben. Besonders relevant ist hier das festgeschriebene Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, das anbieterübergreifend gilt und nur unter bestimmten Bedingungen erhöht werden darf.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Rückforderungsansprüche können grundsätzlich bis zu zehn Jahre rückwirkend geltend gemacht werden. Für eine rechtliche Prüfung werden vor allem drei Informationen benötigt: die Transaktionslisten der Anbieter, aus denen sich Ein- und Auszahlungen ergeben, Angaben dazu, ob und in welchen Zeiträumen vom Ausland aus gespielt wurde, sowie der Name des jeweiligen Anbieters.

Transaktionslisten können Spieler im Wege einer DSGVO-Auskunft kostenfrei anfordern.

Typische Fehler von Betroffenen

NNatürlich kalkulieren Anbieter von illegalem Glücksspiel Klagen ein und haben Strategien zur Risikominimierung entwickelt.

Ein häufiges Muster besteht darin, dass Anbieter nach der Anforderung von Transaktionslisten frühzeitig Vergleichsangebote unterbreiten – häufig in einer Größenordnung, die in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Verlusten steht.

In der Praxis bedeutet das nicht selten, dass einem Spieler beispielsweise 5.000 Euro angeboten werden, obwohl seine Verluste sechsstellig sein können. Wer ein solches Angebot vorschnell annimmt, verzichtet regelmäßig auf einen erheblichen Teil möglicher Ansprüche.

István Cocron empfiehlt deshalb, sich nicht vorschnell mit dem Anbieter auseinanderzusetzen, sondern einen Anwalt einzuschalten und eine Strategie zu planen.

„Ein Vergleich klingt verlockend und wird deshalb von den Anbietern als Strategie eingesetzt, um Kosten zu sparen.“

Ablauf eines Rückforderungsverfahrens

Zunächst sammelt der Anwalt Informationen zur Plattform, zur Nutzung durch den Spieler sowie zur Höhe der Einzahlungen und Verluste. Nach Prüfung der Unterlagen wird das Verfahren gerichtlich geltend gemacht. Aufgrund des häufigen Auslandsbezugs der Anbieter kann bereits die Zustellung Zeit in Anspruch nehmen. Es folgen der Austausch von Schriftsätzen, eine mündliche Verhandlung und schließlich eine gerichtliche Entscheidung oder ein Vergleich.

Ein realistischer Zeitrahmen bis zu einer erstinstanzlichen Entscheidung liegt bei etwa acht bis zwölf Monaten.

Kosten und Finanzierung

Im Fall eines Siegs vor Gericht trägt regelmäßig die Gegenseite die Kosten des Verfahrens. Auch bei Vergleichen wird häufig eine Kostenübernahme vereinbart.

Daneben bestehen Möglichkeiten der Prozesskostenhilfe, Ratenzahlung oder der Einschaltung von Prozessfinanzierern, je nach persönlicher Situation des Betroffenen.

Wir unterstützen Sie dabei, Ihre Verluste zurückzufordern.

Viele Betroffene zögern aus Unsicherheit, Scham oder Angst vor Kosten. Dabei handelt es sich weder um Einzelfälle noch um außergewöhnliche Lebenssituationen. Die hohe Zahl laufender Verfahren zeigt, dass die rechtliche Aufarbeitung von Online-Glücksspielverlusten längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

Zivilrechtliche Ansprüche bestehen häufig auch dann, wenn Spieler selbst nicht damit rechnen. Eine rechtliche Einordnung kann helfen, die eigene Situation realistisch einzuschätzen und vorschnelle Entscheidungen zu vermeiden.

Bei Fragen zur eigenen Situation oder bei Beratungsbedarf steht Rechtsanwalt René Scheier zur Verfügung.

Ein Mann in dunklem Anzug sitzt auf einer Treppe und lächelt freundlich.

Vielen Dank für Ihre Anfrage. Sie werden umgehend kontaktiert.

FAQ: Häufige Fragen zur Rückforderung von Glücksspielverlusten

Kann ich Verluste aus Online-Glücksspiel zurückfordern, obwohl ich selbst gespielt habe?
Ja, wenn das Angebot ohne deutsche Lizenz erfolgte oder gegen gesetzliche Vorgaben verstieß.

Kann ich Verluste auch dann zurückfordern, wenn der Anbieter im Ausland sitzt?
Ja, auch ausländische Anbieter können in Deutschland in Anspruch genommen werden.

Wie lange kann ich Verluste rückwirkend zurückfordern?
In der Regel bis zu zehn Jahre rückwirkend.

Strafrechtliche Verfahren glimpflich beenden – so gehen Sie vor

Im ersten Teil unseres Blogs erfahren Sie, wie René Scheier Ihnen helfen kann, wenn ein Ermittlungsverfahren wegen illegalem Glücksspiels gegen Sie eröffnet wurde.

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