Title: Warum die Einziehung nach den §§ 73 ff. StGB für Unternehmen gefährlich sein kann: Ein Blick auf die strafrechtliche Rechtsprechung
Author: RegioHelden
Published: 7. Juni 2024
Last modified: 17. Juli 2024

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# Warum die Einziehung nach den §§ 73 ff. StGB für Unternehmen gefährlich sein kann: Ein Blick auf die strafrechtliche Rechtsprechung

 Veröffentlicht am 7. Juni 202417. Juli 2024

Die **Einziehung **nach den §§ 73 ff. des Strafgesetzbuches (StGB) stellt ein mächtiges
Instrument im deutschen Strafrecht dar, um rechtswidrig erlangte Vermögenswerte 
abzuschöpfen. Für Unternehmen kann diese Regelung erhebliche Gefahren bergen, da
sie nicht nur strafrechtliche, sondern auch wirtschaftliche Folgen hat. In diesem
Blogbeitrag beleuchten wir, warum die Einziehung für Unternehmen so gefährlich sein
kann und illustrieren dies mit konkreten Beispielen aus der strafrechtlichen Rechtsprechung.

**1. Was ist die Einziehung nach den §§ 73 ff. StGB?**

Die Einziehung nach den §§ 73 ff. StGB ermöglicht es den Strafverfolgungsbehörden,
Vermögenswerte, die durch oder für eine rechtswidrige Tat erlangt wurden, abzuschöpfen.
Dies umfasst nicht nur den unmittelbaren Tatgewinn, sondern auch Surrogate und durch
die Tat erlangte Vorteile.

**a. Umfang der Einziehung**

Die Einziehung kann sich auf verschiedene Vermögenswerte erstrecken, einschließlich
Geld, Immobilien und anderen wirtschaftlichen Vorteilen. Sie betrifft nicht nur 
die Täter, sondern auch Dritte, die von der Tat profitiert haben.

**b. Rechtsfolgen für Unternehmen**

Für Unternehmen kann die Einziehung erhebliche finanzielle Belastungen bedeuten,
da sie nicht nur die direkten Tatgewinne, sondern auch indirekte Vorteile und Erträge
aus illegalen Handlungen umfassen kann.

**2. Konkrete Gefahren für Unternehmen**

**a. Finanzielle Verluste**

Die Einziehung kann zu erheblichen finanziellen Verlusten führen, die über die direkten
Gewinne aus der Tat hinausgehen. Dies betrifft insbesondere Fälle, in denen Unternehmen
von illegalen Handlungen ihrer Mitarbeiter oder Geschäftspartner profitieren.

**b. Reputationsschaden**

Ein Einziehungsverfahren kann den Ruf eines Unternehmens nachhaltig schädigen. Die
Öffentlichkeit und Geschäftspartner könnten das Unternehmen als unzuverlässig und
in illegale Aktivitäten verwickelt wahrnehmen.

**c. Betriebsstörungen**

Die Einziehung kann zu Betriebsstörungen führen, insbesondere wenn wesentliche Vermögenswerte
betroffen sind, die für den Geschäftsbetrieb notwendig sind. Dies kann die Liquidität
und die operative Fähigkeit des Unternehmens erheblich beeinträchtigen.

**3. Beispiele aus der strafrechtlichen Rechtsprechung**

**Fall 1: Der „FlowTex-Skandal“**

Im FlowTex-Skandal wurden massive Betrügereien durch das Unternehmen FlowTex aufgedeckt.
Das Unternehmen hatte nicht existierende Bohrmaschinen verkauft und dadurch Kredite
in Milliardenhöhe erschlichen. Nach der Aufdeckung wurden nicht nur die Verantwortlichen
strafrechtlich verfolgt, sondern es erfolgte auch die Einziehung der durch den Betrug
erlangten Vermögenswerte. Dies führte zur Insolvenz des Unternehmens und zeigte,
wie tiefgreifend die Einziehung nach § 73 StGB wirken kann.

**Fall 2: „Dieselgate“ bei Volkswagen**

Im Rahmen des Abgasskandals („Dieselgate“) wurde Volkswagen beschuldigt, Abgaswerte
manipuliert zu haben. Neben strafrechtlichen Sanktionen gegen einzelne Manager wurden
auch Vermögenswerte des Unternehmens eingezogen, die durch die manipulierten Fahrzeuge
erlangt wurden. Dies verdeutlichte, dass auch große, etablierte Unternehmen nicht
vor der Einziehung sicher sind und wie teuer solche Maßnahmen werden können.

**Fall 3: „Infinus-Finanzskandal“**

Der Infinus-Finanzskandal betraf ein Unternehmen, das ein Schneeballsystem betrieben
hatte. Die erlangten Gelder wurden durch die Einziehung abgeschöpft, was zur vollständigen
Liquidation des Unternehmens führte. Dies unterstrich die Gefahr, dass die Einziehung
auch zur vollständigen Auflösung eines Unternehmens führen kann.

**4. Strategien zur Risikominimierung**

**a. Präventive Compliance-Maßnahmen**

Unternehmen sollten robuste Compliance-Programme implementieren, um illegale Aktivitäten
frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Regelmäßige Schulungen der Mitarbeiter
und eine klare Unternehmenspolitik können dazu beitragen, Risiken zu minimieren.

**b. Interne Kontrollen und Audits**

Regelmäßige interne Kontrollen und Audits können helfen, potenzielle Verstöße frühzeitig
zu identifizieren und zu beheben. Dies schafft Transparenz und stärkt die Rechtskonformität
des Unternehmens.

**c. Rechtsberatung und Verteidigungsstrategie**

Im Falle eines drohenden Einziehungsverfahrens sollten Unternehmen sofort rechtlichen
Beistand suchen. Eine frühzeitige und gut durchdachte Verteidigungsstrategie kann
helfen, die Auswirkungen zu minimieren und mögliche Einziehungen abzuwenden oder
abzumildern.

**Fazit**

Die Einziehung nach den §§ 73 ff. StGB stellt eine erhebliche Gefahr für Unternehmen
dar. Sie kann zu gravierenden finanziellen Verlusten, Reputationsschäden und Betriebsstörungen
führen. Anhand konkreter Beispiele aus der Rechtsprechung wird deutlich, wie tiefgreifend
die Auswirkungen sein können. Unternehmen sollten daher proaktive Maßnahmen ergreifen,
um sich vor diesen Risiken zu schützen. Ein starkes Compliance-Programm, regelmäßige
interne Kontrollen und eine umgehende rechtliche Beratung im Ernstfall sind entscheidende
Schritte, um die gefährlichen Konsequenzen einer Einziehung zu vermeiden.

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